Gerichtsverfahren, hohe finanzielle Belastungen und die Sorge vor einer möglichen Insolvenz haben den Kreisverband Potsdam in den vergangenen Monaten stark gefordert. Was steckt hinter den Entscheidungen der außerordentlichen Mitgliederversammlungen? Und welche Folgen haben die beschlossenen Umlagen für die Vereine? Die wichtigsten Hintergründe und Beschlüsse im Überblick.
Viele von Ihnen haben in den vergangenen Monaten aus der Presse, aus Ihren Vereinen oder auf den Mitgliederversammlungen erfahren, dass sich unser Kreisverband Potsdam der Garten- und Siedlerfreunde (VGS) in einer schwierigen finanziellen Lage befindet.
Dabei fielen Begriffe wie:
- Gerichtsverfahren
- Vergleichszahlungen
- Sonderumlagen
- und sogar Insolvenz
Viele Gartenfreundinnen und Gartenfreunde fragen sich seitdem: Wie konnte es dazu kommen? Wie ernst ist die Lage wirklich? Und was bedeuten die gefassten Beschlüsse konkret für die Vereine und Pächter?
Mit diesem Beitrag möchten wir die Entwicklungen der vergangenen Monate zusammenfassen und erläutern, warum die bei- den außerordentlichen Mitgliederversammlungen für den Fort- bestand unseres Verbandes von so großer Bedeutung waren.
Warum der Kreisverband wichtig ist
Der VGS Potsdam ist für viele Kleingartenanlagen sogenannter Zwischenpächter.
Das bedeutet:
- Die Grundstücke gehören privaten Eigentümern, Unternehmen oder öffentlichen Stellen.
- Der Verband pachtet diese Flächen.
- Die einzelnen Vereine pachten wiederum vom Verband.
Diese Struktur entlastet die Vereine erheblich. Der Kreisverband übernimmt zahlreiche Aufgaben, die sonst jede Sparte selbst organisieren müsste. Dazu gehören unter anderem Vertragsfragen, steuerliche Angelegenheiten, Anliegerkosten sowie Aufgaben rund um Ver- und Entsorgung. Damit bündelt der Verband viele organisatorische und rechtliche Aufgaben im Interesse der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner.
Die Gerichtsverfahren gegen Tamax und Northis
Besonders schwer belasteten den Verband zwei Verfahren:
- gegen die Firma Tamax
- sowie gegen die Northis Immobilien GmbH
Der Verband führte diese Auseinandersetzungen nicht aus wirtschaftlichem Eigeninteresse. Aus Sicht des VGS ging es darum, bestehende Kleingartenanlagen und die Interessen der Pächter gegen zunehmenden Druck auf die Flächen zu verteidigen. Die Ursachen reichen dabei teilweise bis in die Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung zurück. Nach dem Ende der DDR musste auch der damalige Kreisverband rechtlich neu organisiert werden. Nach heutiger Einschätzung entstanden dabei juristische Fehler, insbesondere bei der Überführung alter Vertragsverhältnisse aus DDR-Zeiten in die neue Rechtsordnung. Viele dieser Probleme blieben lange unauffällig und wurden erst durch spätere Gerichtsverfahren grundlegend überprüft.
Die finanziellen Folgen wurden erheblich:
- Verfahren Tamax: insgesamt rund 276.000 Euro,
- Verfahren Northis: insgesamt rund 616.000 Euro.
Damit ergab sich ein Finanzbedarf von rund 892.000 Euro.
Warum von Insolvenz gesprochen wurde
Der Verband warnte schließlich offen davor, dass ohne zusätzliche finanzielle Mittel eine Insolvenz möglicherweise nicht mehr abzuwenden sei.
Das hätte weitreichende Folgen gehabt:
- Insolvenzgericht und Insolvenzverwalter hätten die Kontrolle übernommen.
- Bestehende Zwischenpachtverträge wären unsicher geworden.
- Die Zukunft vieler Anlagen hätte nicht mehr verlässlich eingeschätzt werden können.
Für viele Vereinsvorstände war deshalb klar: Es musste schnell gehandelt werden.
Zwei außerordentliche Mitgliederversammlungen
Im Januar 2026 fand eine erste außerordentliche Mitgliederversammlung statt.
Diese wurde genutzt,
- um die Mitgliedsvereine umfassend zu informieren,
- die Risiken offen darzustellen
- und erste Maßnahmen zur Stabilisierung vorzubereiten.
Dabei wurde erstmals intensiv über zusätzliche finanzielle Beiträge gesprochen. In einer zweiten außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden schließlich konkrete Beschlüsse gefasst. Die Beteiligung war außergewöhnlich hoch: Von 112 stimmberechtigten Vereinen waren 105 vertreten. Diskutiert wurden verschiedene Umlagemodelle. Viele Delegierte forderten schnelle Entscheidungen zur Sicherung der Handlungsfähigkeit. Andere verlangten mehr Transparenz und eine klare Zweckbindung der Mittel.
Die beschlossenen Umlagen
Am Ende beschloss die Mitgliederversammlung zwei Umlagen:
- 75 Euro pro Parzelle,
- sowie zusätzlich 25 Euro pro Parzelle.
Damit ergibt sich insgesamt eine zusätzliche Belastung von: 100 Euro pro Parzelle.
Die Aufteilung in zunächst 75 Euro und anschließend weitere 25 Euro sollte einerseits schnell eine rechtssichere Finanzierung der akuten Verpflichtungen ermöglichen und andererseits die finanzielle Belastung für die Vereine schrittweise sowie transparent gestalten.
Wichtig war außerdem: Die Mittel sind ausdrücklich zweckgebunden für Rechtsverbindlichkeiten vorgesehen. Nicht benötigte Mittel sollen später beitragsmindernd angerechnet werden. Der reguläre Mitgliedsbeitrag für 2027 bleibt dagegen unverändert bei: 98,30 Euro pro Parzelle.
Ein Blick nach vorn
Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie verletzlich gewachsene Strukturen sein können. Besonders dort, wo alte Vertragsverhältnisse, steigende Grundstückswerte und rechtliche Unsicherheiten zusammentreffen. Gleichzeitig haben die außerordentlichen Mitgliederversammlungen auch gezeigt: Die Vereine und ihre Mitglieder sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Mit den gefassten Beschlüssen konnten wichtige finanzielle Weichen gestellt werden. Der Verband bleibt vorerst handlungsfähig. Entscheidend wird nun sein, das Vertrauen der Mitglieder weiter zu stärken und langfristig stabile rechtliche und finanziel- le Grundlagen für das Potsdamer Kleingartenwesen zu schaffen.
Der Vorstand Kreisverband Potsdam
der Gartenfreunde e. V.

